1. Januar 2018 3 Kommentare San Esprit

Journalist Maximilian Medlitsch zum Healing Camp India 2018:
„Jetzt wird´s ernst“

 

Es geht also wirklich los, jetzt wird’s ernst: Noch weniger als 48 Stunden bis zur Anreise nach Indien. Mein Name ist Maximilian Medlitsch, ich bin in den mittleren Zwanzigern, gebürtiger Bayer aus der Voralpenregion und Journalist. Nachdem mein bisheriger journalistischer Fokus vor allem auf der Berichterstattung zu Themen aus Politik und Wirtschaft lag, war meine Neugier schnell geweckt, als San Esprit Gründerin Annette Müller mich nach meinem Interesse am Erstellen eines Reisetagebuches fragte. Zwei Wochen Indien mit den „Healers without Borders“ – das klingt doch mal spannend. Raus aus dem Alltag auf zu einem kleinen Abenteuer in einem anderen Teil der Erde. Äußerst reizvoll ist in diesem Kontext natürlich auch die wissenschaftlichen Studie, die eine Disruption in unserem medizinischen Verständnis auslösen könnte. Die Berichterstattung dieses Großprojekts zu übernehmen ist also durchaus eine Ehre – ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an meine inzwischen gute Bekannte Neti Müller, mit der es immer etwas zu lachen gibt.

Nur kleine Bedenken

Zugegeben: Ein paar kleine Bedenken habe ich schon. Wie ich im letzten Blogeintrag Über sich selbst hinauswachsen gestehen musste, ist Indien nicht mein favorisiertes Reiseland – ich bin ein Neurotiker wenn es um Hygiene geht, davon zeugen meine vom vielen Waschen leicht ausgetrockneten Hände. Da ist so eine Indienreise schon ein großer Schritt – aber wer kann bei so einem tollen Angebot schon nein sagen, einer Erfahrung von der ich sicherlich meinen Enkelkindern Max und Anna erzählen werde sofern es die Beiden irgendwann geben sollte. Zudem habe ich bezüglich meiner Neurose vorgesorgt: Mein Desinfektionsmittel ist im Handgepäck und meine Kontaktlinsen bleiben Zuhause. Auch wenn ich mich seit einigen Tagen daran versuche mich mit den Standards auf dem tropischen Subkontinent mental anzufreunden – für die tägliche Berührung der Augen reicht sie nicht. Aber dafür gibt es Brillen und die lassen einen auch noch intelligent aussehen – Win Win.

Hupkonzert im Hintergrund

Während ich also gerade so dasitze und meinen Koffer packe, realisiere ich Minute für Minute mehr, dass es jetzt wirklich Realität wird – das Abenteuer wird in wenigen Stunden beginnen. Und es fühlt sich schon jetzt sehr real an. Gerade eben hatte ich einen zweistündigen Whatsapp Call mit Annette. Sie ist bereits vor Ort Es geht los und kümmert sich abschließend um die Vorbereitungen vor dem Eintreffen der großen San Esprit Delegation, die ich ab München begleiten werden. Nachdem Erfolgsautorin und San Esprit Dozentin Annette Bokpe im GesprächIndien heißt mich willkommen betonte, wie wertvoll eine Erfahrung in einem infrastrukturell armen Schwellenland sein kann sollte auch bei uns einmal ein Ernstfall eintreten, malte mir Annette Müller von der Situation vor Ort ein Bild mit Worten: „Max hier ist es so unglaublich laut“ – so oder so ähnlich Es geht los! . Und davon konnte ich mir bereits persönlich ein Bild machen. Trotz Headset und ummauerter Hotelanlage ist die auditive Kulisse unüberhörbar.

Nahezu im Sekundentakt findet irgendwo im Hintergrund ein Hupkonzert statt. Sehr befremdlich für jemanden, der seine eigene Hupe noch nie benutzt hat. Also zumindest die, die laute Töne macht. Aber wehe dem, der auf der Autobahn unter 200 Kilometer pro Stunde auf der Linken fährt – der bekommt die penetranteste Lichthupe seines Lebens ab. Wobei das eine Geschwindigkeiten ist, die in Indien grundsätzlich nicht praktikabel wäre – es fehlt anscheinend an ausgebauten Straßen und Autobahnen. Es sei sogar gefährlich, meinte Neti. Und wehe dem, der einem fahrendem Auto ausweicht und auf die Seite springt – das dürfe ich in keinem Fall machen meinte sie nur beiläufig zu mir. Es rechne dort niemand damit, dass der Fußgänger ausweicht. Verstehe: Die Hupe dient nicht zur Warnung, sondern um sich anzukündigen. Das gibt es auch in Deutschland. Was es bei uns aber nicht gibt, sind Menschen die an der Autobahnleitplanke auf den Bus warten und dann in das sich bewegende Fahrzeug springen. Zumindest würde eine solche Situation Hierzulande nicht als normal gedeutet. Was ich persönlich bestenfalls befremdlich finde, ist die Wahl der zu beantwortenden Fragen um ein Visum für Indien zu erhalten. Meine ethnische Herkunft wird bis zu meinen Großeltern abgefragt, ebenso deren Reiseverhalten mit einer offenen Aversion gegen eine bestimmte Nation. Noch kenne ich die Hintergründe dazu zu schlecht um das zu werten, aber ethnische Diskriminierung finde ich, vielleicht gerade wegen meiner deutschen Herkunft befremdlich. Einmal mehr weiß ich die europäische Errungenschaft des Schengen-Raum zu schätzen. Freizügigkeit ist eine wunderbare Sache.

Indien – ich komme

Bei solchen Geschichten malt man sich natürlich unzählige Szenarien aus und es kommt einem so manche Frage in den Kopf. Was erwartet mich vor Ort? Wie ist meine Unterkunft? Kann ich überhaupt dem Leitungswasser trauen? Muss ich mir Sorgen machen, nachts auf die Straße zu gehen? Was werde ich dort erleben, wird es mich verändern? Aber das macht es natürlich auch enorm spannend. Was ist schon so ein Pauschalurlaub in der Türkei oder ein Ausflug an die Ostsee gegen ein Abenteuer in weit entfernter Fremde, auf dem subtropischen Kontinent Indien. Nichts gegen die Türkei oder Ostsee, zumindest eines dieser Ziele finde ich reizvoll. Aber es ist eben kein Vergleich zum wilden Indien. Vor allem nicht, wenn man dort ein Projekt wie das der Heiler ohne Grenzen begleiten darf und in erster Reihe beobachten kann, wie möglicherweise Medizingeschichte geschrieben wird. Und mit Prabhat Poddar haben wir einen bekannten Vastu-Architekten als Reiseführer, der die Bestrebungen der San Esprit Delegation tatkräftig unterstützt. All das macht die Indienreise schon im Vorfeld einzigartig. Das erinnert mich an das nette Gespräch, dass ich vor wenigen Tagen mit Annettes Tochter Gwenn hatte. Während sie mich aus New York anrief und wir eine Stunde telefonierten, ging das Gespräch auch Richtung Sinn des Lebens. Sie meinte dann, sie sei zwar noch so jung – aber wenn sie über den Sinn nachdenkt, ist ihr erster Gedanke wie groß doch die Welt ist und dass sie alles sehen möchte – anstatt immer nur Zuhause rumzusitzen. Wie Recht sie doch hat. Schon Goethe betonte wie wichtig und zugleich lehrreich das Reisen ist. Und in Indien hat schon Hermann Hesse seinen Sehnsuchtsort gefunden. Indien, ich komme!