6. November 2019 1 Kommentar San Esprit

Bereits im Vorfeld war klar: Mit den Heilertagen 2019 hat sich Gastgeberin Annette Müller wieder einmal selbst übertroffen. Mit Dr. Daniele Ganser ist es der San Esprit Gründerin gelungen, einen Top-Speaker nach Frabertsham zu holen. Millionen von Menschen haben sich die Vorträge des weltberühmten Friedensforschers alleine auf YouTube angesehen. Außerdem füllt der sympathische Schweizer mit seinen Vorträgen regelmäßig Hallen. Auf den diesjährigen Heilertagen referierte der Medienstar über die Themen: Liebe, Wahrheit und Mut. Im dritten Teil spricht der Wissenschaftler über die Macht der Täuschung.

Mit seinen Ausführungen zur Anfälligkeit von Menschen für bewusste Täuschung erstaunte der Historiker Dr. Daniele Ganser das Publikum und malte dabei ein schockierendes Bild: Um einen Krieg zu führen, müsse man die Menschen verwirren. So sehr verwirren, dass Mütter ihre Söhne gehen lassen und den Krieg durch ihre Steuern auch noch finanzieren. Aber geht das wirklich? Ganser kontert: Na, klar!

Dazu zeigt der Historiker die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2006. Befragt wurden US Soldaten im Irak zum Gegenstand ihres Einsatzes. Dabei stellte sich heraus, dass 85 Prozent der Soldaten dachten ihre Hauptmission bestehe darin, Saddam Hussein für seine Rolle bei den Terroranschlag vom 11. September zu bestrafen. Eine fatale Fehlinformation, auf deren Grundlage die zumeist jungen Frauen und Männer ihr Leben riskieren.

Wie kann das sein? „Es ist schon mal ganz klar, dass die Soldaten hier absoluten Müll im Kopf haben, weil Saddam Hussein hatte nichts mit den Terroranschlägen vom 11. September zu tun. Da kann man jetzt sagen okay, die haben das verwechselt. Saddam Hussein, Osama bin Laden – das sind alles diese fremden Namen“, beginnt Ganser. Lautes Lachen aus dem Publikum. Dann fährt der Historiker fort: „Ja gut, aber dann sind sie im falschen Land. Osama bin Laden war in Afghanistan. Das ist, als wenn sie heute Abend nach Hause gehen und sie machen die Nachbarstüre auf und legen sich ins falsche Bett. Das sind gröbere Fehler, da kann man nicht sagen, dass passiert immer.“ Wieder lautes Lachen von Seiten des interessierten Publikums, wenngleich die Botschaft des Friedensforschers dadurch nicht an Gewicht und Ernsthaftigkeit verliert.

Dann kommt der Historiker zu seinem wohl umstrittensten Thema, für das er international bereits viel Kritik einstecken musste – 9/11. „Es ist unvorstellbar, dass die Soldaten das damals wirklich geglaubt haben. Das ist ein Thema an dem ich schon sehr lange arbeite: „Was passierte am 11. September 2001? Weil wir alle seitdem im so genannten Krieg gegen den Terrorismus leben.“

Es war ein Mal.. Märchen fürs Rüstungsbudget

Doch zunächst nimmt Ganser das Publikum mit auf eine Reise zurück in seine Jugend. Es war der Kalte Krieg. „Ich kann mich erinnern, dass ich als Teenager in der Schweiz den Spiegel gelesen habe. Und der Spiegel hat gesagt, alle Menschen in der Sowjetunion sind ganz ganz böse. Das habe ich natürlich geglaubt und hatte noch keine Ahnung von Kriegspropaganda. Ich dachte, der Spiegel ist ein neutrales Nachrichtenblatt – was er nicht ist. Aber jeder Mensch geht verschiedene Stufen durch. Am Anfang ist er leichtgläubig, wie auch Annette Müller gesagt hat. Man ist, und das ist schwierig einzugestehen, dümmlich unterwegs. Wenn es geschrieben steht, muss es doch wahr sein. Später habe ich gemerkt, da wird ein Feindbild produziert.“

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, fehlte in den Neunziger Jahren dann das Feindbild in den westlichen Staaten. Ganz schlecht für das Rüstungsbudget, so Ganser. Das liegt alleine in den USA aktuell bei 650 Milliarden US-Dollar. Eine Zahl mit 12 Ziffern. Doch um solche hohen Summen zu erhalten braucht das Rüstungsbudget, so der Friedensforscher, immer eine Rahmenerzählung. Egal ob drittes Reich, Kalter Krieg oder der spanische Imperialismus vergangener Jahrhunderte – alle eint eine bestimmte Rahmenerzählung.

„Die Rahmenerzählung ist eigentlich nur im Kopf. Die Grundstruktur der Neuronen, wie sie geordnet sind. Und die Rahmenerzählung im Krieg gegen den Terrorismus lautet so: Da draußen sind Terroristen, das sind alles Muslime, die sind böse, die muss man bekämpfen und darum brauchen wir viel viel Geld für Rüstung. Wer das nicht glaubt, ist Verschwörungstheoretiker. Das ist die Rahmenerzählung und die hören wir seit 18 Jahren. Da muss man die Dinge vielleicht aufklären, denn die Rahmenerzählung ist gelogen. Eine Lüge. Wahnsinn. Die Geschichte vom Krieg gegen den Terrorismus stimmt nicht. Hier werden einfach Menschen getötet, Macht wird ausgeweitet, gewisse Leute werden reich. Doch andere sterben.“

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