7. Februar 2019 Keine Kommentare San Esprit

Selfie Time und Moskitos zum Frühstück

Tag 7: Logistik zu groß für Auroville

Als wir Annette Müller gestern kurz vor Mitternacht erreicht haben, hatte die San Esprit Gründerin noch alle Hände voll zu tun. Deshalb die erste Frage zu Beginn: Wie spät wurde es gestern noch? „Ich saß noch bis um 2 Uhr nachts an dem Transkript für Heiler ohne Grenzen. Nach dem Aufstehen durfte ich dann mal wieder den Raum im Hotel wechseln. Das dürfte jetzt mein inzwischen drittes Zimmer sein. Leider bin ich jetzt im Parterre. Hier sind besonders viele Moskitos. Deshalb habe ich freundlich darum gebeten, mein Zimmer mit Moskitospray auszusprühen. Als mir die Zimmerdame versicherte, dass das erledigt sei, habe ich noch einmal nachgefragt. In Indien glaube ich nichts. Nachdem sie mir erneut bestätigt hat, dass alles erledigt sei, wollte ich mir das Spray zeigen lassen. Nach einigen Minuten kam sie zurück, mit einem kleinen Fläschchen ätherische Öle für die Haut. Meine Zweifel an der Effektivität dieser kosmetischen Tinktur konnte sie nicht nachvollziehen – stattdessen bekräftigte sie, dass es doch 100% natürlich sei. Ich habe dann geduldig versucht ihr zu erklären, dass das nicht für einen Raum geeignet ist und habe Gift verlangt, dass die Viecher auch wirklich tötet. Sie hatte dann wieder Bedenken aber dann habe ich ihr klar gemacht, dass mir das lieber ist, als mit Malaria nach Hause zu kommen. Am Ende hab ich es dann selbst versprüht.“

Nach diesem dezent stressigen Start in den Tag, dann der Anruf von Bina: „Sie hat mich gefragt ob ich Lust habe heute Vormittag Saris zu shoppen. Da habe ich natürlich gleich zugesagt. Mit einer Einheimischen ist das gleich ein ganz anderes Erlebnis.“

Spannend ist die Geschichte hinter dem Kennenlernen der beiden Powerfrauen: Alles begann mit den Vorbereitungen zum Healing Camp 2018. Als Annette Müller vor gut zwei Jahren das erste Mal nach Pondicherry reist um das Camp vor Ort zu planen, kommt sie mit dem Namen Bina das erste Mal in Kontakt, als es heißt, die Heiler können eventuell das große Auditorium des Theaters haben – Binas Zuständigkeitsbereich. „Ich sollte mit ihr Kontakt aufnehmen. Sie war zu dem Zeitpunkt eine fremde Person, ich hatte sie nie gesehen – alles, was ich über sie wusste war, dass sie die Leiterin des Theaters ist und sehr schwer zu erreichen. Und wie erwartet war sie nicht auffindbar, deshalb habe ich ihre Nummer bekommen. Doch auch das hat nicht so viel gebracht, da sie wegen ihrer hohen Position und der großen Verantwortung sehr eingespannt ist. Auf jeden Fall hatte ich damals gerade das Ärztehaus des Ashrams verlassen und war in Gedanken, wie ich Bina erreichen kann. Vor dem Ashram war das totale Verkehrschaos ausgebrochen und es entstand im Zuge dessen ein Stau, als direkt vor mir zwei Damen auf einem Roller saßen. Plötzlich hörte ich hinter mir jemanden Bina rufen – da realisierte ich, dass Bina genau vor mir auf dem Roller saß. Wäre der Stau vor dem Ärztehaus des Ashram Gebäudes nicht gewesen, wäre sie einfach an mir vorbei gefahren. So blieb sie aber direkt vor meiner Nase stehen – mit ihrer Mutter auf dem Rücksitz. Unglaublich. Heute haben wir auf dem Weg zu den Sari Läden noch einmal darüber gesprochen und wir können es beide immer noch nicht fassen. Eine tolle Geschichte“, erinnert sich Annette Müller.

Und wieder Ärger mit den Tucktuck Fahrern

Wie war der Shopping Ausflug? „Ich hatte eine feste Vorstellung vor Augen: Ein bestimmter Stoff in einer ganz bestimmten Ausprägung. Den habe ich natürlich so nicht gefunden. Zudem war der erste Laden in der Innenstadt viel zu teuer. Deshalb sind wir dann auf Binas Roller stadtauswärts in ein größeres Kaufhaus gefahren. In den vielen Geschäften hätte ich eine ganze Woche verbringen können. Dort war alles ready made, also von der Stange gefertigte indische Klamotten. Aber es gab wirklich abgefahrene Sachen.“ Fündig geworden? „Ich habe ein tolles Oberteil gefunden. Aber die Umkleiden haben mir den Rest gegeben. Für uns Frauen gibt es wohl nichts schlimmeres als Umkleidekabinen. Dort sieht man immer scheußlich aus. In Indien ist das noch 1000 Mal schlimmer. Das wurde mir beim Umziehen bewusst. Getröstet habe ich mich damit, dass ich Umkleidekabinen schon als Jugendliche doof fand. Aber das geht bestimmt nicht nur mir so.“

Auch die Healing Camp Planung kommt beim Shoppen nicht zu kurz: „Wir haben den Plan noch einmal finalisiert und beschlossen, doch keinen Healing Day in Auroville zu machen. Die Logistik wäre einfach zu kompliziert – wir bräuchten sieben oder acht LKWs um die Massagetische zu transportieren. Außerdem noch einmal zwei Busse für die Heiler. Was wir anbieten werden, ist ein zusätzlicher Tag, an dem die Leute aus Auroville zu uns kommen können und Heilsitzungen bekommen werden. Jetzt obliegt es der Auroville Verantwortlichen Srimoyi, ob sie vorbeikommen möchten. Sie war es, die uns während der Führung durch Auroville während des letzten Camps eingeladen hatte. Ich würde mich freuen, wenn wir so einen zusätzlichen Tag realisieren könnten. Das sind sicher einige spannende Begegnungen.“

Danach trennt sich der Weg der beiden Frauen. Während Bina schon zurück muss, möchte Annette Müller noch eine Runde durch die Straßen schlendern und danach mit dem Tucktuck zurück ins Hotel fahren. „Ich wollte von ihr nur wissen, wie viel ich zahlen muss. Daraufhin meinte Bina zu mir, dass die Fahrt ins White Town 80 Rupien kostet. Natürlich wollten die Tucktuck Fahrer wieder mehr Geld. Trotzdem habe ich auf die 80 Rupien bestanden. Da entgegneten sie mir, dass es jetzt Nachtzeit wäre und deshalb teurer. Ganz schön dreist, denn das stimmt schlichtweg nicht. Es geht hier zwar umgerechnet nur um einige Cent, trotzdem sollte man sich aus Prinzip nicht betrügen lassen! Ich habe dann mein Handy rausgeholt und die Videoaufnahmefunktion aktiviert und die beiden Tucktuck Fahrer bei ihrer betrügerischen Aktion gefilmt. Plötzlich war der Preis bei 80 Rupien. Dennoch hat einer der Fahrer angefangen zu schreien und mir das Filmen verboten. Da meinte ich völlig entspannt mit einem Lächeln auf den Lippen: Selfie.“