6. Februar 2019 2 Kommentare San Esprit

Die Macht des Ozeans

Tag 6: Healing Center realisierbar?

Eine gute Woche ist unsere Neti nun bereits in Indien. Bisher konnte die umtriebige Organisatorin nahezu im Alleingang die Vorbereitungen des Mammutprojektes Healing Camp 2020 schultern. Unterstützt wird Annette Müller nur von Ashram Theaterleiterin Bina und Stararchitekt Prof. Poddar. Gemeinsam stemmen sie die herausfordernde Logistik für mindestens 70 Heilerinnen und Heiler plus ein Organisationsteam in einem der strukturschwächsten Länder der Welt.

Doch nicht nur das Healing Camp steht auf der Agenda von San Esprit Gründerin Annette Müller. Ein internationales Healing Center unter der fachlichen Leitung von San Esprit – das ist der Traum von Prabhat Poddar, den er zusammen mit Annette Müller realisieren möchte. Um diesem Traum einen Schritt näher zu kommen, treffen sich die Beiden heute schon in den frühen Morgenstunden um passende Grundstücke auszukundschaften. Poddar hatte bereits ein Strandgrundstück angeboten, das nun wegen regelmäßiger Naturgewalten und Abtragung auf dem Prüfstand steht.

„Heute sind wir über die große Hauptstraße Richtung Auroville zu Prabhats Grundstück gefahren. In direkter Nähe zum Grundstück ist ein Tempel mit großen Pferdestatuen. Die Impressionen dort unterscheiden sich schon sehr stark von dem, was wir in Europa kennen.

Nachdem wir die große Verkehrsstraße überquert hatten und endlich auf der anderen Straßenseite waren, saßen dort Mütter auf dem Boden, um sie herumspringende Kinder, es waren angebundene Ziegen zu sehen und Hütten aus Palmblättern. Die halten keinen Sturm aus, aber das ist auch so gedacht. Wenn ein Unwetter das Haus „wegweht“, dann wird es schnell wieder aufgebaut. Bei der simplen Konstruktion geht das recht einfach. Es ist ein Panorama aus diesen bescheidenen Hütten, riesigen Müllhalden, auf denen Plastik verbrannt wird, ein beißender Verwesungsgeruch, der einem in die Nase steigt, dann wieder der Duft von Räucherstäbchen. Das ist alles sehr zwiespältig, irgendwie finde ich das Marode schon wieder romantisch. In der Nähe des Grundstücks ist auch das Guest House Auroville sowie die Aurolodge. Hier und da sieht man auch ein renoviertes Haus, es ist alles sehr gemischt. Typisch Indien.“

Dann, einige Müllberge später, erreichen Prabhat Poddar und Annette Müller das weitläufige Strandgrundstück: „Der Ozean schimmerte türkisblau in der Morgensonne und hat mich etwas an Hawaii erinnert. Aber hier ist alles sehr versifft. Überall liegen Abfälle. Das Grundstück an sich ist relativ groß mit tollen Palmengruppen und direkter Meer Lage. Leider bestätigt sich nun Prabhats Sorge, dass das Traumgrundstück nicht bebaubar ist – weil das Meer das Land schlichtweg abträgt.“

Außerdem gibt es weitere Schwierigkeiten: „Hier sind Korruption und Betrug ein großes Problem. Grundstückskäufer bekommen es immer wieder mit Betrügern zu tun, die die Unwissenheit von Kaufinteressenten ausnutzen. Gerade die Leute aus dem Westen wissen nicht genau, welcher Stempel hier was bedeutet. So haben Kriminelle leichtes Spiel. Wir haben großes Glück, dass wir Prabhat als Mann vor Ort auf unserer Seite haben.“ Das bestätigt auch Professor Poddar. So habe er gehört, dass alleine sein Grundstück bereits zweimal verkauft worden wäre. Andere Grundstücke kämen sogar auf eine höhere Anzahl von rechtswidrigen Verkäufen, von denen die Eigentümer nie etwas erfahren haben.

 

Villa bereits einverleibt

Dann wird Annette Müller philosophisch: „Als wir dann den Strand entlang flaniert sind, habe ich den Wellen zugehört. Sie haben so etwas Archaisches, Ursprüngliches. Im Konflikt mit dem Modernen.“ Damit meint die San Esprit Gründerin die Villa eines Franzosen, der sich mit dem Domizil am Meer einen Wunschtraum erfüllt hat – ohne die Macht der Natur ausreichend zu bedenken. „Von der Villa des Franzosen sieht man nichts mehr, davon konnte ich mich heute noch einmal persönlich überzeugen.

Der Ozean hat sich das Gebäude komplett einverleibt. Ich vermute die Palmen auf Prabhats Grundstück sind der Grund dafür, dass es noch nicht völlig abgetragen wurde. Trotzdem wäre ein Healing Center hier nicht machbar. Die natürliche Erosion und die Gefahr, die von Zyklonen ausgeht ist einfach zu groß. Trotzdem möchte Prabhat das Healing Center mit uns realisieren, weswegen wir die nächsten Tage ein weiteres Baugrundstück im Landesinneren besichtigen werden. Es liegt an einem See am Rande von Auroville. Das würde er uns ebenfalls zur Verfügung stellen. Ich bin schon sehr gespannt, Prabhat meinte es ist traumhaft dort.“

Und wie lief der Tag weiter? „Den restlichen Tag habe ich in meinem Hotelzimmer verbracht um dort die Transkripte für den Heiler ohne Grenzen Kinofilm zu korrigieren. Aktuell bearbeite ich ja die englische Fassung. Da musste noch einiges gekürzt und verändert werden. Jetzt ist es kurz nach Mitternacht und ich bin immer noch nicht fertig. Ich denke ich werde heute noch einige Zeit daran arbeiten. Die Arbeit in der Heimat darf ja nicht liegen bleiben. In diesem Sinne – liebe Grüße nach Deutschland!“