5. Februar 2019 Keine Kommentare San Esprit

Rivalitäten unter Tucktuck Fahrern

Tag 5: Willst du wirklich dein Bein heben?

Am fünften Tag von Annette Müllers Indienreise will die Technik nicht so richtig funktionieren. Nach etwa vier Versuchen und einem Wechsel der Räumlichkeiten dann eine stehende Internetverbindung: „Ach ja, das ist Indien. Aber umziehen bin ich ohnehin gewohnt – ich muss aktuell fast jeden Tag mein Zimmer wechseln, da das Hotel belegt ist“, bemerkt Annette Müller locker.

Wie war der Tag? „Ich durfte wie eben erwähnt mal wieder das Zimmer wechseln, danach gab es ein leckeres Frühstück und dann hat mich auch schon Prabhat abgeholt um weitere Vorbereitungen zu treffen. Wir sind dann in eine waschechte Gebietsstreitigkeit unter Tucktuck Fahrern geraten, als wir vor meinem Hotel einsteigen wollten. Erst gab es Stress und Schreierei, weil der eine Fahrer im Gebiet des anderen unterwegs war. Dann wollten sich die Beiden fast prügeln und am Ende das Doppelte kassieren. Prabhat und mir wurde das dann zu blöd. Wir sind dann zur Hauptstraße um ein Taxi aufzuhalten. Das verlief dann minder erfolgreich, deshalb habe ich ihn gefragt, wie er denn hergekommen ist. Da hat er in Richtung seines Rollers gedeutet. Da dachte ich mir, warum denn eigentlich nicht? Aber ich meinte zu ihm, ich werde mich nicht seitlich hinsetzen, wie es die Frauen in Indien üblicherweise machen, da sie wegen ihrer Saris das Bein nicht über den Sitz heben können. Prabhat darauf nur – do you really want to lift your leg – willst du wirklich dein Bein heben? Klar, was hatte ich denn für eine Wahl, sonst falle ich doch runter. Ich meinte auch zu ihm ich werde die Augen zu machen, da hat er mir versichert er würde langsam fahren. Trotzdem ist es immer noch indischer Verkehr! Unsere erste Station war das Hotel, in dem die Heiler voraussichtlich jeden Tag ihr Mittagessen einnehmen werden. Leider ist das nur die zweite Wahl – unser Lieblingshotel mit dem tollen Buffet vom letzten Mal ist leider raus. Jetzt checken wir gerade die Alternativen. Die Fahrt ins Hotel kam mir dabei ewig vor, das muss an dem Verkehr gelegen haben. Als ich einmal kurz meine Augen öffnen wollte, habe ich nur gesehen wie Prabhat schnurstracks auf eine rote Ampel zugerast ist, um dort links abzubiegen“, berichtet Annette Müller aus Indien.

 

Angekommen am Hotel, gleich der nächste Adrenalin Kick für die Organisatorin aus Deutschland: „Weil wir auf unserer Spur wegen einer geschlossenen Schranke nicht fahren konnten, hat Prabhat einfach auf die Gegenspur gewechselt und war dort gute 200 Meter als Geisterfahrer unterwegs. Als wir dann endlich in dem Hotelkomplex angekommen waren, der aus einem feudalen Altbau und einem eindrucksvollen Neubau besteht, stand ein Portier bereit um uns die Türe zu öffnen. Mit einem Haken: Von den vier riesigen Glastüren hat er uns genau die aufgehalten, die am weitesten von uns entfernt war und hat uns so noch einmal zehn Meter laufen lassen. Er stand so demonstrativ vor dieser vierten, entfernteren Tür, als wäre das eine Message. Am Buffet angekommen, gab es wie gewohnt ausschließlich vegetarische Speisen. Das störte aber bisher auch unsere Fleischesser nicht im geringsten, das indische Essen ist einfach toll. Auch hier war das Essen wieder ausgezeichnet, wenngleich die Qualität unseres Hotels vom letzten Mal wohl unerreicht bleibt. Deshalb wollen Prabhat und ich morgen noch einmal persönlich dorthin, um eventuell doch noch eine Vereinbarung zu treffen. Vielleicht können wir sie ja überreden. Das wäre großartig. Ansonsten haben wir beim Essen das Camp weiterführend geplant und viele Details abschließend klären können, vor allem im Bezug auf den genauen Ablauf. So wird es jetzt bei der Anzahl von 25 Tischen bleiben und wir werden wie beim ersten Camp mit drei Heilern pro Tisch arbeiten. Viele dieser Feinheiten sind jetzt final.“

Dabei ist die genaue Aufteilung eine große Herausforderung für das Organisationsteam: An jedem Tisch muss eine Person sein, die der englischen Sprache fließend mächtig ist um zu dolmetschen, sowie ein fertig ausgebildeter Heiler, da auch viele Schüler unter den Mitreisenden sein werden, die in Indien eine großartige Möglichkeit haben Heilerfahrung zu sammeln.  Diese Aufteilung war bereits 2018 eine große Herausforderung und dürfte bei 70 Heilern noch einmal um einiges komplizierter werden.

„Am Abend habe ich dann noch Prabhats Frau eine Heilsitzung gegeben. Ich hatte sie bereits während des letzten Camps persönlich auf der Liege. Mit seiner Familie verbindet mich ein inzwischen sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis, da ist das für mich Ehrensache. Es freut mich um so mehr zu sehen, wie es ihr besser geht“, berichtet Annette Müller.

Und wie lässt die Heilerin den Tag ausklingen? „Ich liege am Pool, gebe Euch ein Update von der Lage vor Ort und lasse mich von den Moskitos auffressen – so lange bis mir die Fledermäuse zur Hilfe kommen.“