2. Februar 2019 Keine Kommentare San Esprit

Mehr als 1000 Heilsitzungen in 7 Tagen

Tag 2: Erste Vorbereitungen erfolgreich

Als wir Annette Müller an diesem Abend gegen 22 Uhr Ortszeit erreichen, ist sie gewohnt gut gelaunt: „Ich hatte gestern noch einen tollen Abend. Der Michelin Sternekoch des Restaurants Villa Shanti, in dessen Genuss wir einen Abend lang während des letzten Camps gekommen sind, ist jetzt zusätzlich noch Küchenchef meines Hotels. Es war wirklich sehr schön ihn zu treffen und vor allem sein tolles Essen zu kosten. Natürlich geht das in Indien nicht ohne Hindernisse. Ich habe eine Stunde auf mein Essen gewartet. Nicht weil die Küche so lange gebraucht hätte – der Kellner hat schlichtweg vergessen die Bestellung weiterzuleiten. Na, immerhin haben sie mir extra meinen Stammplatz freigehalten und das Essen war einfach großartig!“

Und wie war der Jetlag heute morgen? „Ich habe erst einmal 12 Stunden durchgeschlafen und als der Wecker dann geklingelt hat, hätte ich ihn am liebsten gegen die Wand geschmissen. Die Laune wurde augenblicklich besser als das Frühstück serviert wurde, samt indischen Chai und frisch gepresstem Saft aus dunkelroten Trauben. Danach stand ein Treffen mit Bina an, die das Theater des Ashrams leitet und damit für das Auditorium, also der großen Theaterhalle in der das letzte Camp stattfand, verantwortlich ist. Mir wurde bereits im Vorfeld gesagt, dass das Auditorium in diesem Jahr wegen der 75-Jahresfeier des Ashrams nicht verfügbar ist, aber mir war es menschlich sehr wichtig Bina zu treffen. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Im letzten Jahr hat ihre ganze Familie Heilsitzungen bekommen. Ich habe vor kurzem ein Familienbild gesehen – da sehen alle so glücklich aus, völlig schmerzfrei. Da wollte ich natürlich wissen ob noch alles in Ordnung ist.“

War alles in Ordnung? „Sie hat mich dieses Mal total überrascht. Wir wollten ja eigentlich nur privat reden und uns austauschen, aber sie kam mir strahlend entgegen und noch bevor ich etwas sagen konnte, brachte sie mir die tolle Nachricht: Die Heiler ohne Grenzen bekommen auch 2020 wieder das Auditorium des Ashrams zur Verfügung gestellt – trotz der Feierlichkeiten in dem Jahr. Das hat der Ashram so eben beschlossen. Wahnsinn! Dann sind wir beide, natürlich völlig euphorisch, direkt in die Planung eingestiegen und haben ausgerechnet, wie viele Heilsitzungen wir mit 70 Personen geben können. Das sind 25 Tische mit jeweils drei Esperenten vormittags und noch einmal drei Esperenten am Nachmittag, also insgesamt 150 Heilsitzungen pro Tag. Wir werden das Camp 2020 um einen Tag verlängern und dafür längere Pausenzeiten einplanen. Außerdem folgen wir vielleicht der Einladung nach Auroville und werden dort noch einen weiteren Tag heilen.“

Somit kommt das Camp je nach finaler Planung auf mehr als 1000 Heilsitzungen in einer Woche. Wahrlich ein Mammutprojekt, und noch deutlich größer als das vergangene Camp, bei dem mehr als 300 Personen geheilt wurden.

 

Naturgewalt vs. Healing Center

Am Abend stand dann ein Treffen mit Stararchitekt Prof. Dr. Prabhat Poddar und seiner Ehefrau an: „Wir haben dann im Sur Guru in Pondicherry sehr lecker gegessen. Der Laden ist eingerichtet wie ein Bahnhofswartesaal aus den 50er Jahren und es gibt ausgezeichnete Dosa – das ist eine Art Crêpe aus Sauerreisteig, der auf einer Ofenplatte kross gegrillt wird. Gefüllt werden sie mit verschiedensten Sachen und dann mit leckeren Chutneys serviert. Mein absoluter Favorit sind Paper Dosa. Hier wird die gleiche Menge Teig verwendet, nur werden sie hauchdünn ausgerollt, so dass sie einen Meter Durchmesser haben. Wirklich sehr köstlich.“

Ihr hattet sicher einiges zu besprechen? „Zunächst hat es ihn sehr gefreut, dass alles mit dem Auditorium klappt und ich mit dieser tollen Nachricht begrüßt werden konnte. Er hat mir dann auch ausführlich von den tollen Rückmeldungen des ersten Camps berichtet. Einziger Wehmutstropfen: Das fast schon legendäre Hotelbuffet, an dem sich die fleißigen Heiler jeden Mittag stärken konnten, ist leider nicht mehr verfügbar. Anschließend haben wir noch über das geplante Healing Center gesprochen. Prabhat wollte uns dafür ein Strand-Grundstück zur Verfügung stellen. Jetzt hat er sich die Liegenschaft noch einmal genauer angesehen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht möglich sein wird, das Center dort zu errichten. Durch die direkte Meer Lage wäre das Gebäude stark gefährdet. Ein Stückchen weiter hat sich der Ozean bereits die Villa eines Franzosen einverleibt. Die Fluten tragen den Strand immer weiter ab und so wird der Landstreifen immer dünner. Prabhat meinte zu mir, dass der Strand in seiner Kindheit ganze 30 Meter breiter war. Außerdem wurde Pondicherry von dem Tsunami vor zehn Jahren, der im gegenüberliegenden Indonesien extrem gewütet hatte, stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Schlimmste konnte nur wegen der im Vorfeld durchgeführten baulichen Maßnahmen verhindert werden, die ursprünglich gedacht waren um ein weiteres Abtragen des Strandes zu verlangsamen. Deshalb sind die Strände in Pondicherry von aufgeschütteten schwarzen Steinen geprägt. Das hat die Stadt vor einem Jahrzehnt gerettet. Was das Healing Center angeht, schauen wir uns jetzt vor Ort noch einmal alles an und machen dann weitere Pläne. Es bleibt also spannend.“