22. Oktober 2018 4 Kommentare Camilla B.

Mit Ihren über 80 Jahren ist Franziska noch erstaunlich fit. Doch seit einigen Monaten klagt sie über zunehmende  Rückenschmerzen und ihr Arzt erklärt ihr, dass ihre Wirbel altersbedingt abgenutzt seien, außerdem habe sie eine krumme Wirbelsäule. Er könne ihr Schmerzmittel und Krankengymnastik verschreiben, sie müsse ruhiger werden und sich weniger aktiv verhalten. Doch leider helfen weder Tabletten noch Krankengymnastik.

Von Natur aus ist Franziska eine fröhliche und zuversichtliche Person, doch als sie mich am frühen Morgen anruft, klingt sie  verzweifelt und erschöpft. Ihre Rückenschmerzen sind mittlerweile so stark geworden, dass sie nicht mehr schlafen kann. Stehen und gehen kann sie fast gar nicht mehr. Überraschenderweise akzeptiert sie sofort, dass ich am Nachmittag zu ihr komme, um mich ihrem Rücken zuzuwenden.

Wir improvisieren ein wenig, Franziska liegt auf dem Sofa und  ich nehme hinter ihr Platz. Nach circa einer Stunde bitte ich sie, sich wieder aufzurichten und vorsichtig hinzusetzen. Das gelingt ihr gut, dabei empfindet sie keine Schmerzen. Doch beim Aufstehen und den folgenden ersten Schritten ist der Schmerz wieder da. Ich verspreche, bald wieder zu kommen.

Früh am nächsten Morgen läutet mein Telefon. Franziska ist am Apparat und sagt mir, dass ich nicht kommen brauche, sie habe in der Nacht sooo gut geschlafen, die Schmerzen seien weg und sie wolle lieber Bridge spielen mit ihren Freundinnen. Ich bin sprachlos, freue mich – und rechne insgeheim damit, dass wir uns bald wieder um ihren Rücken kümmern werden – doch ich habe mich getäuscht, nach mittlerweile vier Monaten ist Franziska noch immer beweglich und schmerzfrei.

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