18. Oktober 2018 Keine Kommentare San Esprit

Behind the Scenes: Emmanuel privat

Auf den Heilertagen tummeln sich allerlei prominente Gäste. In diesem Jahr dürfen wir bereits zum dritten Mal den Filmemacher Emmanuel Itier aus Hollywood begrüßen. Mit Gastgeberin und San Esprit Gründerin Annette Müller verbindet ihn eine enge Freundschaft. Darüber hinaus arbeiten die Beiden an mehreren dokumentarischen Filmprojekten, von denen zwei bereits veröffentlicht wurden. Im dritten Teil gibt der „Holy Punk“ überraschende Einblicke in sein Privatleben.

Wir haben jetzt viel von der öffentlichen Person Emmanuel Itier gehört, von dem Auftrag und der Vision, die Dich antreibt. Doch was ist mit der Privatperson, dem Menschen Emmanuel Itier?

Haha, das ist eine gute Frage. Ich bin ein „Holy Punk“, ein heiliger Punk. Der Heilige in mir macht die Dokumentationen und der Punk ist derjenige, der später im Hotelzimmern trinkt, eine Zigarre genießt und auf den wunderschönen Chiemsee blickt. Oder auf eine schöne Dame, sofern dort eine ist. Aber ich gehe nicht mit anderen Frauen mit nach Hause, nur mit meiner Ehefrau – wenn sie darauf besteht. Aber ernsthaft: Sie ist die Liebe meines Lebens. Was das Trinken und das Rauchen betrifft, man kann nicht die ganze Zeit perfekt sein. Das ist okay, das haben uns viele große Persönlichkeiten vorgemacht. Wir Menschen sind auch nur Kreaturen die das Vergnügen lieben. Es sollte nur nicht überhandnehmen. Man kann durchaus gesund verrück sein, das ist kein Widerspruch – ich sehe das mehr wie Yin und Yang. Alles dreht sich um die richtige Balance, die gilt es zu achten.

Und Deine Frau? 

Ich bin froh sie zu haben, sie versohlt mir den Hintern wenn ich zu sehr abdrehe. Das ist sehr wichtig. Sie hält mich an der kurzen Leine und das ist auch gut so. Als betrunkener französischer Holy Punk brauche ich das: Jemanden der sagt: Jetzt reicht’s! Ich stimme ihr dann ohne Widerworte zu und folge ihrer Aufforderung. Manchmal verlieren wir einfach den Boden unter den Füßen und dann brauchen wir genau das. Das ist Emmanuel privat und ich bin stolz darauf.

Emmanuel Itier mit Ehefrau Roxana

Wie ist das Leben in Los Angeles?

Es ist sehr hart, die Moral ist am Tiefpunkt und man sieht viele krasse Dinge. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben und das bringt eine dunkle Wolke über die Gedanken der Menschen. In unserem Land läuft es nicht gut. Die Inflation ist sehr hoch und erneut: Es ist ein Kampf ums Überleben. Ich lebe wirklich ein sehr einfaches Leben ohne Luxus und trotzdem brauchen wir als fünfköpfige Familie 6.000 bis 7.000 Dollar netto im Monat. Allein die überhöhten Mieten machen 4.500 Dollar aus. Das ist doch Wahnsinn. Ich arbeite sieben Tage die Woche so viele Stunden wie möglich, denn ich weiß nie wann der nächste Auftrag kommt. Deshalb sind auch diese Werbefilme so wichtig für mich. Es geht darum die nächsten Monate zu finanzieren. Das ist das Problem am Filmgeschäft: Du drehst teils Jahre für einen Film und musst dann, wenn er fertig ist noch Monate warten bis er Geld in die Kassen spült. Ich denke die USA sind nach wie vor ein Land der Möglichkeiten aber es ist härter geworden. Früher, als ich im Alter von 20 Jahren eingewandert bin, war das deutlich leichter und vieles besser. Das merkt man den Menschen hier auch an, alle haben Angst. Dazu gibt es viele ethnische Spannungen. Aber das ist kein rein amerikanisches Problem. In Frankreich haben wir die gleiche Situation.

Wie gehst du mit all dem um? 

Ich komme hierher, zu den Heilertagen. Es tut so gut drei Tage im Jahr hier zu sein und Abstand von all dem zu nehmen, den Problemen und dem Alltag. Hier im schönen Bayern in der Nähe dieses wundervollen Sees verbringe ich meine Zeit mit diesen tollen aufgeschlossenen und liebenden Menschen auf Annettes Festival. Das gibt mir so viel. Die positive Energie lädt mich auch privat wieder auf und gibt mir die Kraft in die USA zurückzukehren und zurückzuschlagen – mich für eine bessere Gesellschaft zu engagieren. Würde ich durchgehend in Los Angeles leben, würde ich vermutlich depressiv werden und der verrückte Emmanuel würde die Kontrolle übernehmen. Das wäre katastrophal. Ich bin dankbar dafür zu reisen und so die Distanz genießen zu können. Ich liebe es einfach zu den Heilertagen zu kommen. Es ist ein für mich ein sehr wertvoller Trip. Das Lustige ist, ich beherrsche die Sprache nicht, doch genau das finde ich toll.

Wie ist das für dich, lost in translation?

Es ist spannend. Man fühlt die gute Energie und da braucht es keine Worte um die Liebe zu spüren. Liebe kennt keine Sprache. Man sieht es in den Gesichtern der Menschen. Es ist nicht immer notwendig zu reden, wir reden schon genug und oft zu viel. Ich genieße das, egal ob in Deutschland, Indien oder Japan – ich verstehe kein Wort aber ich liebe es. Hier kann ich einfach ich selbst sein und muss nicht immer erklären und diskutieren. Ich bin gerne der Beobachter und genieße die gefühlte Stille. Es gibt zu viel Lärm, wir werden bombardiert durch die Medien. Überall Lärm. Ich sehe das bei meinen Kindern.

Klingt, als hättest Du ein neues Thema für eine Dokumentation…

…auf jeden Fall! Sie ist schon in der Planung: „Game on – ready to play“. Ich möchte mich kritisch mit der Sucht nach Sozialen Medien und Videospielen auseinandersetzen. Unsere Kinder werden die ganze Zeit damit bombardiert und werden süchtig. Wir müssen wirklich vorsichtig sein, was da noch auf uns zukommt! Erziehung ist zu einer schwierigen Aufgabe geworden. Ich habe drei Söhne und weiß das. Eltern sind mehr denn je angehalten genau zu überlegen, was sie ihren Kindern mit auf den Weg geben. Die Welt hat sich verändert.

Familien – Alltag in Los Angeles, Emmanuel Itier und seine Söhne