29. Januar 2020 Keine Kommentare San Esprit

Healing Camp India 2020: Tag 12 in Pondicherry – Heiler auf Tempeltour

Vor genau zwei Jahren gelang der Initiative „Heiler ohne Grenzen“ der École San Esprit die große Sensation: 33 wagemutige Heiler reisten nach Pondicherry in Südindien und heilten dort im Rahmen des Healing Camp India 2018 mehr als 200 Leidende. Die Resonanz vor Ort war immens und die Heiler wurden zu gefeierten Helden. Nachdem schon kurz nach Ende des Camps Stimmen laut wurden, die sich für eine Fortsetzung aussprachen, nahm sich San Esprit Gründerin und Initiatorin Annette Müller dem Wunsch an und organisierte in den vergangenen 15 Monaten die Neuauflage des Healing Camps mit 45 Mitwirkenden.

Und das ist ein voller Erfolg: Mehr als 400 Heilsitzungen in nur fünf Tagen. Über 250 Geheilte. Wieder ist es den Heiler Ohne Grenzen gelungen, Hunderten ein besseres Leben zu schenken und Tausende zu inspirieren. Im Gegenzug wurde ihnen viel Liebe und Dankbarkeit zu teil.

Gestern hatten unsere tapferen Heiler den ersten freien Tag seitdem sie das Camp erfolgreich beendet haben. Nachdem einige bereits den Tempel der Mutter – Matrimandir in Auroville besichtigt hatten, geht es heute in den Tempelbezirk von Mahabalipuram. Das UNESCO Kulturerbe im indischen Bundesstaat Tamil Nadu beherbergt einige der ältesten erhaltenen Steinbauten Südindiens. Diese sind eindrucksvolle Zeugen der Pallava-Architektur, die einen der Ausgangspunkte des Dravida Stils in der indischen Tempelarchitektur bildete. Das Reich der Pallava existierte seit Mitte des dritten Jahrhunderts und stellte eine bedeutende Macht in Südindien dar. Die beiden Zentren der Pallava Kultur waren die Hauptstadt Kanchipuram und die Hafenstadt Mamallapuram beziehungsweise Mahabalipuram – und genau hierhin starteten die Heiler heute morgen gegen 8 Uhr, ausgehend von der Strandpromenade in Pondicherry.

Eigentlich sollten die Heiler von Star-Architekt und Healing Camp Unterstützer Professor Prabhat Poddar begleitet werden, doch der ursprüngliche Tourtag musste verschoben werden – wegen landesweiten Streiks gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung. Deshalb übernimmt Shivaprasad kurzerhand den Part des Reiseführers und begleitet die Heiler in das zirka zwei Stunden Busfahrt entfernte Mahabalipuram. Auch Shivaprasad hat sich im Zuge des Healing Camps zu einem starken Unterstützer der Heiler ohne Grenzen und der von ihnen angewandten Heilmethode amazinGRACE entwickelt, wie Annette Müller berichtet: „Nicht nur, dass er diese Vielzahl an Heilerfolgen selbst gesehen hat – er hat sie auch höchstpersönlich erlebt. Als er zu uns kam, hatte er in Folge einer Netzhautablösung und dem darauf erfolgten operativen Eingriff Schmerzen und konnte nur mit Sonnenbrille das Haus verlassen. Bereits helle Räume mit Oberlicht haben ihm Probleme bereitet, so dass er auf den Boden starren musste. Fünf Monate nach seiner Netzhaut OP konnte er sogar seine Wohnung nicht verlassen, so lang, bis er seine erste Heilsitzung bei uns hatte – seitdem kann er wieder ins Licht schauen und ohne Sonnenbrille auf die Straße.“ Außerdem hatten die Heiler auch Shivaprasads kleine Tochter auf der Liege, die seitdem wieder schmerzfrei tanzen kann. Sehr zur Freude der kleinen Tänzerin.

Die volle Dröhnung

Nachdem die Heiler das malerische Pondicherry verlassen, fällt ihnen sofort die veränderte Landschaft auf. Der Eindruck verstärkt sich augenblicklich während eines Zwischenstopps, wie Annette Müller zu berichten weiß: „Als wir auf halben Weg eine Pause gemacht haben um auf Toilette zu gehen und einen dieser köstlichen Chais zu bestellen, war das natürlich nicht mehr India light, wie in Pondicherry, sondern die volle Dröhnung Indien.“

Das will geübt sein

Wir üben!

 

 

Als die Heiler Mahabalipuram erreichen, fallen ihnen sofort die zahlreichen Bildhauer auf, die dort mit fantastischen Figuren an der Straße stehen und ihre Steinmetzarbeiten bewerben. Währenddessen blicken die Heiler gebannt aus dem Fenster und kaum jemand, der nicht sein Smartphone zückt. Auch Fotograf Lars, der die Heiler begleitet, ist eifrig am knipsen.

Wir verteilen uns auf sechs oder sieben Tuk Tuks

An der Tempelanlage angekommen, wird den Heilern erst so richtig das Ausmaß bewusst – denn das Areal erstreckt sich über sechs Kilometer. Außerdem wird den Heilern ein weiterer Sachverhalt bewusst. In Mahabalipuram ist es viel heißer als in Pondicherry – und bis zu den ersten Tempelbauten ist es vom Parkplatz aus, an dem der Bus hält, ein ordentlicher Fußweg. Zum Glück für die Heiler, stehen auch hier diverse Tuk Tuks bereit. Shivaprasads Plan lautet dabei wie folgt: Es gibt drei Tempelanlagen, für die Besichtigung einer jeden plant der Inder zehn Minuten plus einige Minuten für den Weg zur nächsten Anlage ein.

…und tatsächlich fühlten sich einige diskriminiert..

Nachdem der Eintritt bezahlt wurde, dabei sei erwähnt, dass Inder einen anderen Preis zahlen wie Ausländer, können die Heiler das erste Ziel betreten.

„Die Tempelanlage ist so unfassbar schön, das ist schwer mit Worten zu beschreiben. Die künstlerische Leistung dahinter sowie deren Wirkung ist sehr beeindruckend“, schwärmt Annette Müller.

Nach zehn indischen Minuten, welche in etwa 30 Minuten wie sie die Uhr anzeigt entsprechen, geht es mit den Tuk Tuks weiter zur zweiten Tempelanlage. Dort findet sich auch der berühmte Butterball von Krishna:

Krishna´s Butterball

Erneut vereinbaren die Heiler eine „zehnminütige“ Erkundung der Tempelanlage. Als Jean-Marie Bottequin die zehn Minuten jedoch wörtlich nimmt, findet er keinen der Heiler zur „vereinbaren“ Zeit vor dem Tempel. Mitschuld an dem Missverständnis sind auch die leeren Batterien in Jean-Maries Hörgeräten. Was tun, in einer solchen Situation? Jemanden fragen! Natürlich. Behilflich ist ein Tuk Tuk Fahrer, der die Heiler gesehen haben will. Genau dorthin will er den Franzosen fahren. Doch nach einer zwanzigminütigen Irrfahrt kommt der Fahrer einfach wieder zurück zum Ursprungsort und siehe da – die Heiler sind plötzlich alle (wieder) da. Einmal 500 Rupien bitte.

Jean-Marie ist wieder da!

Nachdem die Heiler wieder vereint sind, starten sie zur dritten Tempelanlage. Die liegt zum Erstaunen der Heiler auf einer eindrucksvollen Landzunge, umgeben vom pazifischen Ozean. Doch auch in der Tempelanlage haben die Heiler einiges zu bestaunen. Noch schnell ein weiteres Gruppenbild:

Inzwischen ist es Nachmittag und die Heiler haben einen Bärenhunger. Gut, dass Shivaprasad ein traditionell Indisches Dinner organisiert hat – mit allem, was dazu gehört. „Da wir eine so große Gruppe sind, wurde uns das Essen in großen Plastikeimern gebracht, die mit Zeitung ausgelegt waren. Die sahen original aus wie Mülleimer. Aus denen wurde uns dann Papadum serviert. Natürlich wurde das mit der Hand und ohne Handschuhe auf den Teller gelegt. Das war schon heftig, aber das ist eben Indien. Dennoch war das Essen köstlich“, befindet Annette Müller.

Das hier war definitiv nicht mehr Indien light! Aber gut, dass die Desinfektionstücher mit dabei waren.

Sensationell war der Preis: 131 Rupien – umgerechnet 1,67 Euro. Unglücklicherweise ist es in Indien üblich zusammen zu bezahlen. Die Bitte nach getrennter Zahlungsweise wurde deshalb abgelehnt. Kurzerhand opfert sich Jens und sammelt das Geld ein. Gar nicht so leicht, doch am Ende ist das Geld beisammen und die Heiler bezahlen die Zeche. Als sie gerade in den Bus einsteigen wollen, rennt ihnen einer der Kellner hinterher. Grund dafür ist ein Missverständnis. Genauer gesagt, haben sich die Kellner verrechnet. Nun sind es doch 163 Rupien pro Person – „stolze“ 2 Euro. Deutlich dramatischer als die 33 Cent ist der Aufwand, diese einzusammeln. „Wir waren in etwa eine Stunde beim Essen und das Bezahlen hat dann noch einmal eine Stunde gedauert“, scherzt Annette Müller. Als die Heiler wieder zurück in Pondicherry sind, ist es 7 Uhr abends. Etwa fünf Stunden später als geplant – doch so ist das eben in Indien. Und die Heiler hatten einen großartigen Tag.

 

Im Tuk Tuk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein großartiger Tag